Alb-Packa 2026, Teil 6: Tag drei: Morgens durch den Wald und Windräder mit Autobahn-Akustik

Von unserem idyllischen Schlafplatz fahren wir weiter durch den Wald, und es ist wirklich schön. So schön, dass ich fast wieder versöhnt bin mit der Temperatur, dem Schlafmangel und den Kilometern, die noch vor uns liegen … fast.

Wir fahren unter zwei Windrädern vorbei, die unglaublich laut sind. Dieses tiefe Drehgeräusch hatte ich so noch nie gehört. Erst verwechseln wir es mit dem Geräusch einer Autobahn aus der Ferne, so laut ist das. Aber dann steht da auch noch ein Schild „Vorsicht vor Eisschlag durch die Windräder! Bitte nicht stehenbleiben.”

Irgendwann spuckt uns der Wald wieder aus und wir rollen ins Tal und fahren gegenüber an einem Segelfluggelände bergauf zur Knörhütte. Es ist zur Abwechslung wieder mal sacksteil, grummel.

Und natürlich ist die Hütte geschlossen. Macht aber nichts. Wir fahren weiter, denn nur ein paar hundert Meter durch den Wald gibt es eine DAV-Hütte. Wir denken zuerst, die sei nicht bewirtschaftet oder privat. Ist sie aber doch!!

Albpacka Tag 3 Ultracycling Event

Unsere Brotzeit auf der DAV-Hütte

Dani bestellt einen Kaffee, und der Mann dort sagt erst einmal: „Wir verkaufen keinen Kaffee.“ In diesem Moment entgleisen Danis Gesichtszüge minimal. Vielleicht auch maximal. Jedenfalls sind die Leute sehr nett und geben ihr dann einfach einen Kaffee von den Übernachtungsgästen. Ich bestelle einen Tee, und wir setzen uns draußen hin, essen Käsebrot, trinken Kaffee und Tee und genießen einfach nur die Wärme, die Ruhe und die Villa Maus (ein merkwürdiges Gebäude gegenüber der Hütte).

Einer der ehrenamtlichen Hüttenwarte erzählt uns, dass diese Hütte vom DAV betrieben wird und nur von Ehrenamtlichen bewirtschaftet wird, die am Wochenende dort arbeiten. Ich bekomme den Namen nicht mehr ganz zusammen, irgendwas mit Franz vielleicht, aber der Ort hier ist richtig schön und sehr empfehlenswert. Genau solche Stopps bleiben hängen.

Und dann taucht am Wiesenrand wieder ein Doppelpacka auf. Ich dachte schon, es gäbe gar keine mehr und wir sind mit weitem Abstand die letzten. Zumindest fühlt es sich so an, aber nein, da kommen noch welche. Ah, jetzt kann ich auch wieder einen Blick auf “Follow my challenge” werfen. Da kann man jederzeit verfolgen, wo die jeweiligen Albpackas unterwegs sind, und sieht immer, wo die anderen Teams gerade stecken. Das ist motivierend und manchmal auch etwas verwirrend, weil man denkt: Moment mal, wie sind die denn jetzt da hingekommen?

Von der Hütte geht es wieder runter, über einen steinigen Weg. Mein Gravelbike murrt wahrscheinlich insgeheim schon wieder.

Die Wege erinnern mich wirklich manchmal sehr an den Gardasee, nur ohne Aperol Sprizz im Anschluss an den Trail!
Danach fahren wir weiter Richtung Stuifen. Wobei „fahren“ beim Stuifen ein sehr großzügiges Wort ist. Wir schieben hoch. Oben ist es wahnsinnig schön, keine Frage. Aber der Weg dahin ist eine Zumutung mit Aussicht, zumindest in meinem jetzigen Zustand.

Hier erfahren wir von einem netten schwäbischen Sonntagsradler, dass wir auf dem Drei-Kaiser-Berge-Weg unterwegs sind. Der zweite Berg ist wohl der Rechberg, aber den müssen wir Gott sei Dank nicht hoch. Stattdessen geht es weiter Richtung Hohenstaufen. Die Burgruine Hohenstaufen ist sicher historisch, landschaftlich und kulturell wertvoll. In jetzt gerade hoffe ich, dass der Anstieg schnell hinter uns ist, denn wir steuern langsam aber sicher auf den drittletzten Anstieg zu.

Hohenstaufen: Wenn zwei Wege nach oben führen und beide irgendwie nicht wirklich sexy sind

Kurz nachdem Danis Navi wieder „klettern“ anzeigt, schaffe ich es auch noch Dani zu verlieren. Schwitz … 😩

Ich fahre vor ihr und sie zeigt mir an, dass wir auf den steileren Weg nach oben müssen. Ich sehe das Fahrradwegschild, das auf einen flacheren Weg verweisst und gleich eine Kurve macht und in meiner unglaublichen Weisheit entscheide ich kurzerhand “Der Weg ist flacher und ich fahre um die Diritissima herum.”

Was, wie wir alle wissen, meistens der Anfang einer schlechten Entscheidung ist.

Ich fahre also um die Kurve und Dani ist wie vom Boden verschluckt. Erst kann ich es nicht glauben, dann ärgere mich über mich selbst. Wie blöd kann man eigentlich sein? Wir sind hier seit zwei Tagen gemeinsam unterwegs, komplett übermüdet, halb kaputt und ich biege einfach mal anders ab. Ich sehe ein Schild „Fußweg Richtung Hohenstaufen“, rufe Dani an und sage:

„Ich fahr schnell zu dem Fußweg und geh da hoch.“

Hmmm: Nachtigall ich hör dir trapsen …

Fußwege zeichnen sich ja in erster Linie dadurch aus, dass sie schmal sind, Wurzeln haben, Treppen beinhalten und ganz klar nicht dafür gedacht sind, ein bepacktes Gravelbike nach oben zu wuchten. … Grrrr.

In einer Panik, dass wir uns spontan komplett verlieren könnten, schiebe ich also mein Fahrrad so schnell wie möglich hoch, weil ich mir sicher bin, dass Dani oben schon wartet und sich denkt: Wo bleibt sie denn jetzt? Vielleicht habe ich auch gedacht, sie fährt ohne mich weiter oder ist auf einem anderen Hügel … ich weiß es nicht 😬 jedenfalls schiebe ich so schnell wie der Teufel 😈

Albpacka Tag 3 BIkepacking Event

Fotoshooting auf dem Hohenstauffen

Oben angekommen sind viele Ausflügler da. Menschen mit normalen Schuhen. Menschen ohne Schlafmangel. Menschen, die vermutlich einfach nur einen schönen Sonntagsausflug machen und nicht aussehen, als hätten sie gerade eine persönliche Beziehungskrise mit ihrem Fahrradsattel.

Von Dani allerdings keine Spur. Als ich sie anrufe, höre ich plötzlich dieses typische Klick-Klack von Fahrradschuhen. Und dann sehe ich sie, wie sie ihr Rad ebenfalls nach oben schiebt. Auf einem breiten Weg, der nichtsdestotrotz wieder einmal richtig nervig steil ist!

Aber immerhin: Der Ausblick ist wunderbar. Hohenstaufen ist wirklich schön. Das kann ich nicht anders sagen. Aber als wir später wieder runterfahren und ich den anderen Weg sehe, denke ich mir: Ich hätte im Strahl gekotzt, wenn ich da hätte hochgehen pardon fahren müssen. Also Glück gehabt. Oder zumindest eine etwas andere Form von Pech gewählt.

Auf der Abfahrt kommt uns Susan entgegen. Susan ist das Überbleibsel eines Damen-Doppelpackas, das eigentlich zu dritt unterwegs war. Dem Doppel hatte sich noch ein Solo (bzw. eine Sola oder wie sagt man das genderkonform?) angeschlossen, aber inzwischen haben die anderen abgebrochen und sie ist den letzten Tag allein unterwegs. Ich finde das ziemlich beeindruckend. Und gleichzeitig denke ich: Wie verrückt sind wir hier eigentlich alle? Antwort: wahrscheinlich ausreichend.

 

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