Nach Hohenstaufen haben wir (obwohl wir nur noch 2 große Anstiege vor uns haben) immer noch erschreckend viele Kilometer vor uns. Es geht weiter zur Wasserberghütte und auf einen Forstweg, der sich im Wald nach oben schlängelt. Auf der Karte sieht so etwas ja immer harmlos aus. Ein paar Linien, ein bisschen grün, ein Weg. Von diesem Forstweg zweigt dann ein Minitrail nach oben ab.
???? Das ist doch jetzt nicht euer ***-Ernst.
Wenn nicht zwei andere Albpackas unabhängig von uns auch diesen Weg hineingeschoben hätten, ich hätte es nicht geglaubt.Wir schieben. Und der Weg wird steiler und der Organisator erzählt uns später, dass es Leute gibt, die da hochfahren. Ich kann das nicht glauben. Also wirklich nicht. Irgendwann müssen wir noch einmal hin und das verifizieren, denn entweder fahren dort Menschen hoch, die Oberschenkel aus Stahl haben oder ich habe ein anderes Verständnis von „fahrbar“. Bergab, ja. Aber bergauf??? Na egal.
Ich mache ein Foto, weil man solchen Wahnsinn dokumentieren muss. Sonst glaubt einem das ja später keiner. Wobei Fotos bei Steigungen immer lügen. Auf Bildern sieht alles aus wie ein netter Waldweg für Menschen mit Wanderschuhen und innerer Ruhe. Schon fast flach. Die bittere Wahrheit sieht dann ganz anders aus.
Unterwegs begegnen wir Lucia, die Knieprobleme hat und zusätzlich mit ihrer Bremse kämpft. Oh no. Horror. Aber sie schiebt auch tapfer nach oben und fährt dann auch gleich weiter.
Oben ist es dann natürlich schön. Das ist ja das Gemeine. Diese ganze Strecke bestraft einen erst und belohnt einen dann mit Aussicht und gutem Essen. Und dann steht man da, komplett fertig, schaut über die Alb und denkt: Na gut. War schon schön. Aber musste der Weg dahin wirklich so viel Körner kosten?
Endlich bergab. Also fast Erholung.
Nach der Wasserberghütte freue ich mich wie verrückt, denn es geht wieder bergab und das ist in diesem Moment wie ein Geschenk. Ein Geschenk mit Schotter, Schlaglöchern und der ständigen Erinnerung daran, dass bergab auf Gravel nicht gleichbedeutend mit Erholung und “ich lass das Rad mal laufen” ist.
Trotzdem: bergab ist bergab. Und nach all den Rampen nehme ich jede negative Steigung persönlich dankbar entgegen.
Irgendwann kommen wir auf die Teerstraße und ich kann mir zwar kaum vorstellen, dass es noch mehr Highlights oder Rampen geben soll, denn wir haben inzwischen so viele Höhenmeter in den Beinen, dass das Ziel UNMÖGLICH noch weit weg sein kann. Und dann kommt der letzte Anstieg. Wir kaufen noch einmal ein Cola an einer Tankstelle und – was soll ich sagen – der letzte Anstieg liegt kurz vor Schopfloch, und die Rampen sind der Hammer. Also nicht „sportlich herausfordernd“, sondern wirklich: der Hammer. Wir begegnen wieder Susan und ich fahre ein Stück mit ihr.
Ein ganz netter Albpacka-Helfer steht kurz vor dem letzten Anstieg da und möchte uns noch Stärkung anbieten. Total lieb. Aber ich bin schon in diesem Ziel-Tunnel, in dem ich nichts mehr will außer ankommen: schnell weiter hoch & fertig. Ups, die Rechnung ohne die Steigung gemacht! Ich schiebe wieder mal nach oben und dort stehen auch schon ein paar Jungs mit dem Downhill-Rad. Ich kann mir vorstellen in die andere Richtung macht das alles Spaß. Aber umdrehen kann ich jetzt nicht mehr 🙊.
Für Downhill-Strecken haben die Schwaben wirklich ein Herz. Schon beim Waldeck gab es Strecken für Endurofahrer und klassische Fahrer, Trails im Wald, alles richtig schön angelegt. Aber näher damit auseinandersetzen konnte ich mich nicht. Aber im Gegensatz zu unserer Region echt cool!
Wir fahren weiter nach oben, kommen an irgendeiner Hütte vorbei, deren Namen ich nicht mehr zusammenbekomme, und ich hoffe sehr, dass es jetzt wirklich nur noch runtergeht. Aber: Dani sagt, es geht weiter. Oh no. Aber Gott sei Dank nur noch ein kleines Stück. Irgendwann erreichen wir die Hauptstraße, und ab da rollen wir endlich Richtung Schopfloch.
Ziel in Schopfloch: vollkommen erledigt, aber glücklich
Um 16:00 Uhr kommen wir in Schopfloch an. Vollkommen erschöpft, aber happy. Wir haben es durchgezogen. Wir haben es WIRKLICH gemacht. Und das ist einer dieser Momente, bei denen man gleichzeitig stolz, müde, emotional aufgedreht, hungrig und ein bisschen ungläubig ist.
Vor allem, weil der Körper schon seit Stunden behauptet hatte, es gehe nicht mehr, und dann ging es eben doch. Immer noch ein bisschen. Und noch ein bisschen. Und irgendwann ist man tatsächlich im Ziel.
Alle sind mega nett, gratulieren uns, und es fühlt sich richtig gut an. Das Orga-Team war sowieso der Wahnsinn. Falk und Sarah waren super herzlich und alle anderen auch. Einfach jeder war freundlich, entspannt, hilfsbereit und hatte diese angenehme Art, bei der man sich nicht wie das langsamste Rad am Wagen fühlt, sondern einfach wie jemand, der gerade etwas ziemlich Großes geschafft hat.
Wir bekommen leider keine Maultaschen mehr, obwohl ich mich diese schon seit dem ersten Halt in Schopfloch die letzten Kilometer visualisiert hatte. Aber es gibt Spätzle mit Linsen, und die schmecken herrlich. Vielleicht schmeckt nach 480 Kilometern auch alles herrlich, aber diese Spätzle mit Linsen waren genau richtig.
Und dann sitzen wir da und fangen an zu begreifen, was gerade passiert ist. Drei Tage. Oder eigentlich weniger als drei Tage. Über 480 Kilometer, rund 7.500 Höhenmeter, viel zu wenig Schlaf, viel zu viel Gepäck, sehr viel Wald, sehr viele Rampen und eine Leiste, Knie und ein Hintern, der gerade sehr beleidigt ist. Aber wir haben es geschafft. Ohne Abbruch. Obwohl wir (fast) abgebrochen hatten. Also fast.
Nummer 87 war eben doch on fire.
Hier geht’s zu unserem Resümee




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