Schneechaos bildet

Heute mal ein typischer Tagesbericht aus einem verschneiten kleinen Bergdorf aus dem bayerischen Oberland :-): Nach langem Warten ist der Winter endlich in Süddeutschland eingetroffen. Und wie immer wenn so etwas passiert ist

  • erstens das Gesprächsthema mit allen Arbeitskollegen, Freunden und Bekannten an diesem Tag gerettet „Himmel, was ist das für ein Scheißwetter“ „Und das wo der Frühling doch schon fast da war.“ „Gott ist das kalt“ usw. usf. 
  • und zweitens die Situation auf den Straßen absolut fatal.

Für mich, die ich jeden Tag 60 bis 70 km mit dem Auto nach München pendle im Winter (zwar als Fahrgemeinschaft mit 2 anderen Freunden aber trotzdem anstrengend), ist das natürlich der Supergau. Nachdem ich bereits ab sechs Uhr morgens 45 Minuten mit Schneeschippen beschäftigt war und mein Auto aus den Schneemassen befreit habe, erreicht mich der Anruf meines Freundes, dass absolutes Debakel auf den Straßen herrscht, Stau überall und ich bloß nicht jetzt mit dem Auto in die Arbeit fahren soll. Also rufe ich meine Fahrgemeinschaft an und rege an heute doch wohl besser erst später zu fahren. Danach rufe ich Fahrgemeinschaft Nummer 2 an und teile einer Freundin mit, dass die Situation momentan nicht gerade optimal ist um nach München zu kommen und sie nicht fahren soll, wenn sie nicht stundenlang im Stau stehen will. Gemeinsam beschließen wir unsere Fahrgemeinschaften heute zusammen zu legen und erst so gegen zehn loszufahren. Da hat das Debakel doch was Gutes: ein kleiner Sozial-Event am Morgen macht die Sache entspannter. Zumindest für die Mitfahrer :-).

Zwischenzeitlich redigiere ich erst einmal ganz entspannt bei einer Tasse Tee einen Text für die Arbeit (das Internet ist einfach eine coole Erfindung 🙂) und nachdem ich um 8 bereits alles verschickt habe und einmal in einem tollen Motivationslaufbuch gelesen habe, (der Herr, Deutschlands Fitnesspapst, behauptet von sich einen Triathlon mit einem gebrochenen Schienbein zu Ende gelaufen zu sein, aha) wie viel Zeit man doch gerade am Morgen kurz nach dem Aufstehen – in Bayern sagen wir in der Dramhappigkeitsphase – mit Blöd-in-der-Gegend-rumschauen vergeudet und man statt dessen schon locker mit einem 30minütige Dauerlauf sinnvoll in den Tag starten könnte, nutze ich die Gunst der Stunde und schwinge mich auf die Fahrradrolle. Im Wohnzimmer. Für alle, die nicht wissen was denn bitte schön eine Fahrradrolle sein soll => siehe Foto.

Nachdem ich brav so eine Stunde gestrampelt habe, erreicht mich ein Anruf, dass wir doch besser mit der Bahn in die Arbeit fahren, da sich die Situation nicht wirklich gebessert hat. Na toll, das bedeutet für mich in 20 Minuten fertig geduscht am Bahnhof zu sein. Ich hechte also quasi unter die Dusche, springe in meine – bereits vorbereiteten Klamotten –, schnappe mir unkoordiniert eine alte offene Packung Mangostreifen (tolles Frühstück) und renne los. Nach zehn Minuten sind ich (und meine relativ nassen Haare) auf der Straße und kurz darauf im Auto auf dem Weg zum Bahnhof.

Was für nicht so häufige Bahnfahrer übrigens jedes Mal wieder eine Herausforderung ist – finde ich – ist das Lösen des Bahntickets. Auf dem Land geht es ja grad noch (ich muss zumindest nur eruieren, ob ich jetzt mit dem Bayern Ticket zu dritt fahren darf oder ob ich doch ein Tages-Ticket lösen muss oder jeder einzeln … aber dann in München braucht schon fast ein Studium um herauszufinden welches Ticket man jetzt wirklich am Automaten lösen muss um legal von A nach B zu fahren. Ich stehe jedes Mal wieder vor der Tafel und frage mich „Ist das jetzt noch eine Kurzstrecke, in welcher Zone befinde ich mich und warum 🙂 und wie viele Streifen müsste ich theoretisch abstempeln?“ Auf jeden Fall nachdem wir den Kampf mit dem Automaten überstanden haben, sind wir endlich auf dem Weg in die Arbeit. Auf der Bahnfahrt lerne ich wie schwer es ist „Der kleine plappernde Kaplan pappt poppige, peppige Pappplakate an die klappernde Kapellwand.“ zu sagen. Damit ist man dann eine 45minütige Fahrt schon gut beschäftigt (und unsere Sitznachbarn auch :-)).

Auf der Heimfahrt im Zug ergatterten wir dann eine der beliebten 5er-Sitzplätze für Familien. Da saßen wir nun in der Hoffnung, dass uns keine Familie von dem tollen Sitzplatz mit Tisch vertreibt. Vor uns auf dem Tisch eine Zeitung und nach 5 Minuten halte ich es nicht mehr aus und ich muss einen Blick in die Zeitung werfen. Die Nachricht „Obamas Vorsprung vor McCain schmilzt“ überrascht mich allerdings schon etwas. Hat Obama nicht die Wahl im November gewonnen? Rätsel, rätsel … ein Blick auf die Zeitung verrät, es handelt sich um ein besonders aktuelles Exemplar: die Zeitung ist bereits vom 12. Oktober. Irgendwie würde mich absolut brennend interessieren wie oft die deutschen Züge eigentlich so gereinigt werden (immerhin haben wir den 23.Februar)? Oder hat unser Vor-Sitzer seine Tasche entrümpelt und die Zeitung von vor 4 Monaten entsorgt 🙂 Oder ist der Zug nur für das Schneechaos zum Einsatz gekommen und steht normalerweise auf Halde. Na ja, ich werde es so schnell nicht rausfinden, aber brennend interessiert hätts mich schon.

Quintessenz: Das Schneechaos

  • hat mir auf jeden Fall einen sehr geselligen Tag beschert,
  • war gut für meine Bildung und meine Fitness,
  • war ein hervorragendes Small-Talk-Thema
  • und ich kann seitdem schnell und fast stotterfrei „Der kleine plappernde Kaplan pappt poppige, peppige Pappplakate an die klappernde Kapellwand“ sagen 🙂 

Auf das jährliche Schneechaos im Oberland!

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