Alb-Packa 2026, Teil 5: Tag drei: Zwei Stunden Schlaf und ein sehr unromantisches Häuschen

Gegen 2:00 Uhr morgens kommen Jugendliche vom Feiern vorbei. Sie sind nicht direkt gefährlich, aber auch nicht unbedingt das, was man sich unter beruhigender Nachtbegleitung vorstellt. Eher so eine Mischung aus laut, angeschickert und leicht pöbelig. Irgendwann hören wir auch noch Kotz-Geräusche. Ich liege also in meinem Schlafsack, versuche unsichtbar zu sein und meditativ wieder in den Schlaf zu finden. „Wunderbar. Genau mein Wohlfühlambiente.”

Dann höre ich irgendwann nur noch eine sehr genervte Dani: „Katja.“ Ich antworte mit einem zögerlichen „Ja?” Und damit ist klar: Wir fahren weiter.

Ich bin von dieser Entscheidung nicht wirklich begeistert. Also eigentlich will mein Kopf nur schlafen und mein gesamter Körper ist dagegen. Aber am Ende ist es wahrscheinlich vernünftig, denn die Situation fühlt sich einfach nicht mehr richtig gut an. Und: Was ich eigentlich nicht wirklich wissen will: Die Zeit drängt wirklich!

Also packen wir zusammen und rollen wieder los. Von zwei bis sechs fahren wir durch, vollkommen im Dunkeln. Das klingt im Nachhinein eher witzig, in dem Moment ist es eher eine sehr kalte, sehr müde und äußerst stille Angelegenheit und mein Kopfkino war unglaublich – abgesehen von kalten Zehen und kalten Fingern. Ich erinnere mich an all die Momente beim Eisbaden im Tegernsee im vergangenen Winter und denke mir

„Das ist nicht kalt! Das geht gleich vorbei!! Morgen habe ich sicher eine Lungenentzündung!! Wah.”

Und so kommen wir irgendwann nach Heidenheim an der Brenz und fahren durch diese relativ große Hochschulstadt, was tagsüber sicher viel Zeit gekostet hätte. Nachts ist es dagegen fast schon praktisch. Wenig Verkehr, breite Straßen, klare Wege. Allerdings sind noch relativ viele Alkoholleichen unterwegs und von der Burg hören wir Technomusik. Und immer noch ist es saukalt. Dann kommt uns auch noch um diese Uhrzeit morgens ein bepackter Radler entgegen?? So ein Irrer 🤪 Denkt er sich von uns wahrscheinlich auch 😂.

Nachfahrt Albpacka

Irgendwo mitten in der Nacht

Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit sage ich zu Dani: „Ich kann nicht mehr. Mir ist so kalt. Bitte lass uns irgendwo noch kurz halten und schlafen.“

Nur leider finden wir nichts. Kein Bushäuschen, keine halbwegs geschützte Ecke, nichts, wo man sich auch nur kurz hinlegen könnte. Und dann kommt die Einfahrt ins landschaftlich wahnsinnig schöne Wental.

Ich glaube, es ist tagsüber sicher wunderschön. Ganz bestimmt. Nur leider ist es in diesem Moment für mich vor allem eins: endlos und richtig mega kalt. (Am Ende erfahre ich, dass es hier auch manchmal im Sommer angeblich noch Schnee haben kann 🥶.)

Wir fahren scheinbar endlos über Wiesen und zwischen Felsformationen durch das Tal und dieses verdammte Tal hört einfach nicht auf. Es hört und hört und hört nicht auf.

„Also morgen habe ich definitiv eine Lungenentzündung, das gibt’s doch gar nicht.”

Hm … also im Nachhinein etwas viel Kopfkino, und leicht dramatisch, aber um 4:00 Uhr morgens, nach kaum Schlaf und mit kalten Knochen, ist Objektivität ungefähr so weit entfernt wie das Ziel an dem wir hoffentlich IRGENDWANN ankommen.

Dann endlich! Das Ende des Tals. Und gleich an der Zufahrt in das Tal steht ein schönes, gemütliches Hotel, vermutlich vier oder fünf Sterne, auf jeden Fall sieht es wahnsinnig gut aus und ich bin so neidisch auf alle, die hier schlafen dürfen. Was mache ich hier eigentlich??

Und dann sticht es mir ins Auge: Dieses Hotel hat tatsächlich ein kleines Häuschen, in dem man sich kalte Getränke und (vielleicht) Snickers kaufen kann. Erst will ich gar nicht stehen bleiben, aber wir halten und stelle mich in die windgeschützte Hütte. Ich schaue das Sortiment an und verzichte dankend, denn ich habe noch das Pizzabrot und das bedeutet dann ja auch weniger Gewicht, das ich mitschleppe 😬.

Verpflegungsautomat vor dem 4**** Hotel

Verpflegungsautomat vor dem 4**** Hotel

Nach 5 Minuten will Dani weiter, aber mein Körper sträubt sich „Ich will nicht mehr aus dieser Hütte.” Draußen ist es einfach nur kalt und auf dem Rad noch kälter und ich würde am liebsten bis zum Frühstück in dieser Hütte bleiben.

Aber Dani ist unbarmherzig. Oder barmherzig, je nachdem, wie man es betrachtet. 😛 Jedenfalls fahren wir weiter. Mittlerweile ist es 4:00 Uhr morgens und ich denke mir: „Herrschaftszeiten, es muss doch irgendwann mal hell und wärmer werden!”

Nach dem Hotel fahren wir auf eine freie Fläche zu, Richtung Windräder, und dann passiert es: Die Sonne geht richtig langsam auf. Es ist wirklich unglaublich schön … und eigentlich kitschig, wenn ich nicht gerade völlig übermüdet auf einem Fahrrad sitzen würde. Auf der einen Seite noch der Vollmond, auf der anderen Seite die Sonne, irgendwo dazwischen wir, zwei halbgefrorene Gestalten mit zu viel Gepäck und sehr fragwürdigen Lebensentscheidungen. 🥳

Und dann fahren wir weiter in einen Wald und hinauf zur Hütte Waldeck.

Waldeck: Eine Stunde Waldbaden

Das Gute an der Dunkelheit und am Dämmerlicht ist, das muss ich jetzt schon mal sagen, man merkt nicht so, wenn es bergauf geht. Also schon, in den Beinen, aber man sieht es eben nicht. Dadurch habe ich den Eindruck sind wir viel schneller oben. Das ist gut so! Denn zur Hütte Waldeck geht es schon stetig  hoch. Immer weiter und weiter und weiter. Im Dunkeln merkt man es fast weniger. Man sieht ja nicht, wie viel noch kommt, und manchmal ist das ein echter Vorteil. Man fährt einfach weiter und hofft, dass der Berg irgendwann aufgibt.

Oben angekommen ist es wunderbar. Wirklich wunderbar. Es ist ruhig, schön, friedlich, und wir sehen, dass dort schon zwei Leute draußen übernachtet haben. Ein Stück weiter unten gibt es eine Hütte, bei der man wohl Brotzeit machen kann oder zumindest sitzen und sich in unserem Fall hinliegen und bei einem kurzen Nickerchen ausruhen. Mehr Ansprüche habe ich um diese Uhrzeit sowieso nicht mehr.

Albpacka

Unser 2. Schlafplatz mit Waldbaden-Atmo 🤩

Wir legen uns hin und schlafen eine Stunde. Von sechs bis sieben. Nur Vogelgezwitscher, Wald, Ruhe. Es ist wie Waldbaden, nur vollkommen übermüdet und erschöpft. Aber trotzdem: Dieser Moment ist wunderschön. Vielleicht auch gerade deshalb, weil vorher alles so kalt, dunkel und zäh war.

Nach einer Stunde müssen wir weiter. Ich möchte noch vier Minuten schlafen. Also wirklich nur vier. Das ist ja kein übertriebener Wunsch. Aber Dani bleibt schon wieder unbarmherzig und sagt nein. Danach würde ich mich nur ärgern. Hmm „Sie hat hast ja Recht, nöhle ich innerlich vor mich hin, aber ich mag trotzdem nicht.”

Also stehe ich auf, sortiere mich und merke sofort wieder, wo mein größtes Problem sitzt. Mein Hintern. Obwohl ich wirklich viel Creme benutzt habe, ist das einfach meine Sollbruchstelle auf dieser Tour. Ich habe ja wirklich auch schon die eine oder Andere Alpenüberquerung hinter mir, aber das ist dieses Mal wirklich ätzend! Meine Knie tun zwar auch weh, aber die sind im Vergleich fast harmlos. Was jetzt dazukommt, ist die linke Leiste, die manchmal richtig unangenehm zieht. Ich glaube, das kommt daher, dass ich inzwischen öfter in den Wiegetritt gehe, was ich sonst kaum mache. Aber Sitzen ist einfach keine dauerhaft attraktive Option mehr, wenn der Hintern rebelliert.

Das war der Bericht Teil 4 vor Mitternacht

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