Einstieg ins Ultracycling mit dem Gravelrad: Unsere Vorbereitung auf das Sugerle 2026

290 Kilometer, eine Nacht und die Frage, wie viele Jacken ein Mensch eigentlich braucht

290 Kilometer, irgendwas zwischen 3.500 und 3.900 Höhenmetern und rund 24 Stunden auf dem Fahrrad. Das erwartet mich laut unserer Planung am 10. Oktober beim Sugerle (der kleinen Einsteigervariante ins Ultracycling einmal mit dem Gravelbike rund um Stuttgart).

Komoot und unsere Navis waren sich bei den Höhenmetern nicht ganz einig und schwankten zwischen 3.500 und 3.900, aber das ist ja eigentlich auch egal. Es waren auf jeden Fall genügend. 🤪

Nach unserem Albpacka-Abenteuer wollten Dani und ich es noch einmal wissen. Diesmal allerdings nicht drei Tage lang mit Übernachtung, Schlafsack und der Möglichkeit, sich nachts irgendwo in einen warmen Schlafsack zu verkriechen, geschweige denn in ein Hotel, sondern am Stück.

Morgens losfahren, tagsüber radeln, die Nacht durchfahren und am nächsten Morgen wieder zurückkommen. So der Plan in meinem Kopf.

Und ja, wir wussten durchaus, worauf wir uns einließen.

  • Dass es regnen würde, war angekündigt,
  • die nächtlichen Temperaturen waren auch kein Geheimnis
  • und dass man auf 290 Kilometern irgendwann müde wird, konnten wir uns ebenfalls ausrechnen.

Wir wollten es trotzdem genau so machen.

Warum macht man so etwas überhaupt?

Gute Frage. Ich habe sie mir das eine oder andere Mal im Vorfeld gestellt 🤪.

Also bei mir ist eine große Motivation die Lust Neues zu erleben. Ich bin ja ein sehr neugieriger Mensch und will immer wieder neue Dinge erleben. So habe ich auch vor Jahren schon das Eisbaden für mich entdeckt, bin mein erstes Mountainbikerennen gefahren und habe festgestellt, dass ich in der Lage bin einen fünfzehnminütigen Mittagsschlaf zu machen,

Sugar Gravel 2026

um danach wieder erholter im Tag zu sein. Ich dachte immer, ich kann nur 8 Stunden Tiefschlaf oder eben nicht schlafen 😊.

Und: Der Wunsch nach Abenteuer und sportlichen Herausforderungen. Einfach losfahren und schauen, was man unterwegs erlebt und auch an die eigenen Grenzen zu gehen. Was ich übrigens sehr intensiv nach dem Albpacka erlebt habe, war meine emotionale und körperliche Ruhe. Ich habe so viel Ruhe und Entspannung gefühlt wie ein Fakir auf dem Reisbrett nach jahrelanger Meditation … gefühlt 🤗. Auch das ist für mich so wertvoll: So ein Erlebnis, das trägt und erdet mich im stressigen Alltag.

Training? Würde ich ja gerne.

Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen ich problemlos 20 Stunden in der Woche trainiert habe. Lang, lang ist’s her. Heute jongliere ich zwei Jobs, Familie mit Kindern und die Pflege meiner Eltern, und irgendwo dazwischen versuche ich noch, meine eigenen sportlichen Ambitionen unterzubringen.

In den sechs Wochen vor dem Sugerle habe ich immerhin drei längere Touren mit bis zu 140 Kilometern geschafft und ein paar kürzere Feierabendrunden. Für eine Veranstaltung mit knapp 300 Kilometern und etlichen Höhenmetern ist das jetzt nicht gerade eine Bilderbuchvorbereitung.

Andererseits kenne ich meinen Körper ganz gut, habe schon einige lange Touren und viele Rennen und Alpenüberquerungen hinter mir und weiß, dass ich eine ziemlich gute Grundlagenausdauer habe. Und mein Leben ist momentan eben so, wie es ist. Da kann ich nicht einfach mal eben zusätzliche zehn Trainingsstunden in der Woche herbeizaubern. Also muss es reichen.

Migräne braucht vor 290 Kilometern wirklich kein Mensch

Am Tag vor dem Start geht es mir allerdings erst einmal ziemlich beschissen. Ich habe Migräne, mir ist unglaublich übel und am Vormittag muss ich mich sogar übergeben. Na super. Ausgerechnet jetzt!

Mit Vomex und Ibuprofen bekomme ich die Sache irgendwann so in den Griff, dass wir gegen 14 Uhr tatsächlich im Wohnmobil Richtung Stuttgart aufbrechen können. Unterwegs habe ich sogar wieder richtig Hunger und esse Nudeln ohne Soße. Kulinarisch eher überschaubar, aber angesichts der Tatsache, dass mir wenige Stunden zuvor noch speiübel war, finde ich das ziemlich erfreulich. Und vor allem bleibt alles drin. Puh!

Am Freitag gegen 16:30 Uhr kommen wir in Stuttgart an und werden von Falk (dem Organisator) mit einem scherzhaften „Wie, ihr seid schon da?“ begrüßt. Ich muss lachen. 😜

“Na klar!!”

Beim Albpacka im Mai waren wir wegen eines Megastaus und diverser anderer Hindernisse nämlich erst gegen 21 Uhr eingetrudelt, als alle anderen schon da waren und schon teilweise zum Schlafen gegangen sind. Da haben wir erst einmal mit dem Carboloading begonnen. Dieses Mal kommen wir tatsächlich in Ruhe an und können noch uns und unsere Sachen sortieren (zumindest ich 😊). Für mich ist zu früh ankommen ja eher ungewohnt, aber gut, dass ich Dani an meiner Seite habe. 😁

Das Goodiebag ist richtig cool. Es gibt unter anderem eine Keego-Trinkflasche, eine Mütze, KinetiXx-Handschuhe und Nudeln von ALB-GOLD. Und auch die Leute.

"Carboloading" am Vorabend Sugerle essen BIketour

„Carboloading“ am Vorabend

Die Stimmung ist zwar im Moment noch etwas angespannt, weil natürlich einige etwas nervös sind, ob des bevorstehenden Events, aber alle, mit denen ich spreche, sind sehr sympathisch. Was mir an dieser Bikepacking- und Ultracycling-Szene bisher so gefällt, ist der Umgang miteinander. Da stehen Menschen mit ganz unterschiedlichen Rädern und Ambitionen, und trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass man sich über Material oder Wattwerte definieren muss. Und das Wichtigste: Dass alle gesund wieder im Ziel ankommen.

Welcome-Briefing und Before-Essen

Um 19:30 Uhr gibt es das Welcome-Briefing und das gemeinsame Before-Essen. Falk erzählt in seiner Begrüßungsansprache,

  • dass er bisher eigentlich nur nette Teilnehmer erlebt hat,
  • wir ihn beim ersten Anstieg wahrscheinlich hassen werden
  • dass es auch um ein Miteinander geht
  • und jeder / jede (egal wie er oder sie riecht) im Ziel herzlich begrüßt und persönlich empfangen wird.

Außerdem ist es wichtig, eine Rettungsdecke dabei zu haben für den Notfall und er erklärt, wie der Tracker funktioniert, den man auf der Fahrt dabeihat.

Zum Schluss bittet er uns noch, nicht gleich nachts bei Einbruch der Dunkelheit anzurufen, wenn wir denken, wir müssen abbrechen und nichts geht mehr. Meistens finde sich noch eine Lösung. Man könne notfalls die Strecke etwas abkürzen und trotzdem wieder zum gemeinsamen Essen kommen.

Sugerle Begrüßungsrede von Falk

Verdammt. Ich fühle mich ertappt.

Genau das haben wir beim Albpacka gemacht: Nachts bei Einbruch der Dunkelheit angerufen und verkündet, dass wir abbrechen. Um ungefähr 45 Minuten später wieder anzurufen und mitzuteilen, dass wir nun doch weiterfahren. Und schließlich sind wir als letztes Doppelpacka ins Ziel gekommen. So viel zu unserer Entscheidungsfreudigkeit in Extremsituationen. 😂

Ein halber Kleiderschrank muss mit …

Zur Vorbereitung gehört natürlich auch die Frage, was wir eigentlich alles mitnehmen. Beim Albpacka habe ich so unglaublich gefroren in der Nacht, dass ich mir geschworen habe, beim nächsten Mal passiert mir das nicht! Und da Regen und Kälte in Kombination meine persönlichen Endgegner sind, nehme ich das Thema diesmal ziemlich ernst.

Am Vortag bin ich 20 Minuten im Regen zu Hause gefahren, um meine Brille und die Regenkleidung noch einmal endgültig zu testen. Dabei stelle ich fest, dass meine kurze Regenhose offensichtlich nicht mehr besonders wasserdicht ist. Vermutlich hätte etwas Imprägnierspray geholfen, aber diese Erkenntnis kommt jetzt etwas spät. Also wandert zusätzlich eine lange Regenhose ins Gepäck und, komplett unkoordiniert, da ich am Vormittag zu keinem klaren Gedanken fähig und mein Kopf im “es-wird-unglaublich-schlechtes-Wetter”-Modus war noch

  • eine Softshelljacke,
  • eine Daunenjacke,
  • Fußwärmepads,
  • diverse Socken und Oberteile
  • und überhaupt packe ich so lange, bis ich einen kompletten Rucksack und zwei Jutetaschen voll habe, zusätzlich zu meiner Arschrakete 🤪

Aussortieren kann ich dann immer noch im Womo, in dem wir vor dem Start nächtigen werden.

Das nehme ich schließlich dann mit in meiner Arschrakete.

  • eine Windjacke,
  • eine Windweste,
  • eine warme Radjacke,
  • eine Regenjacke,
  • Skiunterwäsche zum Wechseln,
  • eine Isolationshose
  • eine lange Regenhose
  • richtig warme Handschuhe,
  • ein Stirnband
  • und Überschuhe.

Und vermutlich noch ein paar Dinge, an die ich mich inzwischen gar nicht mehr erinnere. Den Rest lasse ich dann doch beim Startpunkt des Sugerles zurück 😊

Dani (und auch alle anderen Teilnehmer, die ich sehe) haben übrigens eine deutlich größere Tasche am Oberrohr als ich. In meine kleine Deuter-Tasche passt gerade einmal das Handy, ein Gel und zwei Reifenheber. Da sehe ich bei meinem Packkonzept definitiv noch Optimierungspotenzial.

… und ganz viel Strom, Licht und Technik

Bei der Technik bin ich dieses Mal viel besser vorbereitet als beim letzten Mal:

  • zwei batteriebetriebene Stirnlampen,
  • zwei Akkulampen und zwei Rücklichter
  • eine Powerbank
  • und mein Garmin Edge Explore 2 sind mit dabei. Letzterer soll immerhin eine Akkulaufzeit von 31 Stunden haben, was für unsere geplante Tour hoffentlich reicht.
  • Wichtig sind mir außerdem meine Kopfhörer & mein Handy, denn ich höre beim Radfahren unheimlich gerne Musik. Vor allem auf langen Strecken motiviert mich das, und manchmal vergeht die Zeit mit einem guten Lied einfach deutlich schneller.

Dass ich mit meinem technischen Equipment im Laufe der Nacht trotzdem noch Spaß haben werde, ahne ich zu diesem Zeitpunkt nicht.

Essen muss schließlich auch sein

Auch ernährungstechnisch gehe ich das Event anders als beim letzten Mal an. Ein bisschen mehr Carboloading vorab wäre natürlich nicht schlecht gewesen, aber angesichts meiner Migräne und Magenprobleme konnte ich das nur eingeschränkt umsetzen. Trotzdem: Immerhin Nudeln und belegte Brote am Vorabend.

Für unterwegs packe ich Nüsse, Gummibärchen, Gels und Käsebrote ein. Dani hat sogar schon Nudeln vorgekocht, was ich ziemlich clever finde und beim nächsten Mal auf jeden Fall auch machen möchte.

Besonders begeistert bin ich von meiner neuen isolierten Pouchbag. Da passt einiges hinein und theoretisch könnte ich mir unterwegs sogar heißes Wasser einfüllen lassen und eine Suppe oder einen Tee mitnehmen. Gerade nachts wäre das bestimmt nicht schlecht.

Schlafen? Diesmal nicht.

Am Freitagabend können wir noch ganz normal schlafen. Für die eigentliche Tour am Samstag und in der Nacht zum Sonntag ist das anders: Wir wollen ausdrücklich durchfahren und haben deshalb auch keinen Schlafsack dabei.

Unser Plan ist, am Samstagmorgen um 6:30 Uhr zu starten und möglichst 24 Stunden später wieder zurück zu sein. Dabei wollen wir uns trotz aller Pläne nicht verrückt machen, sondern immer nur den nächsten Checkpoint im Blick haben. Das hat sich beim Albpacka schon bewährt. Wenn man nach 50 Kilometern darüber nachdenkt, dass noch 240 Kilometer vor einem liegen, kann das ziemlich demotivierend sein. Den nächsten Checkpoint dagegen schafft man meistens irgendwie. Mein Garmin zeigt mir sogar alle fünf Kilometer eine Runde an und so kann ich die Route in Scheibchen für mich herunterbrechen. Ein Tritt nach dem anderen 🙃

Am Samstagmorgen stehen wir also mit unseren vollgepackten Gravelbikes am Start. Vor uns liegen 290 Kilometer, jede Menge Höhenmeter, Regen, wahrscheinlich ein paar ungemütliche Stunden und eine komplette Nacht ohne Schlaf.

Ich freue mich darauf. Wirklich! Auf die langen Stunden draußen, auf neue Strecken, auf die Begegnungen und darauf, wieder einmal herauszufinden, was eigentlich alles geht, wenn man einfach weiterfährt. Um 6:30 Uhr rollen wir los. Und, wie bereits von Falk angekündigt, starte ich bei der 22 Prozent Steigung auf nassem Kopfsteinpflaster mit meiner Schiebekompetenz auf die Sugerle-Strecke, aber dazu mehr im nächsten Teil. 😊

Weiter zu Teil zwei unseres Erfahrungsberichtes

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